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  • HR034 – Planet Alsen

    HR034 – Planet Alsen

    30 Jahre Planet Alsen: Ein Lost Place mit Industrie- und Kulturgeschichte

    Für unser „come back“ haben wir uns zwei besondere Künstler an einem besonderen Ort vor das Mikrofon geholt: Setus Studt, der geistige Vater von Planet Alsen, und Mirko Reisser aka DAIM der Graffiti-Artist aus Hamburg, mit dem wir übrigens in Folge HR026 (HR026 Hamburg Graffiti – eine bunte Zeitreise) schon einmal gepodcastet haben.

    In der heutigen Folge geht es um einen Lost Place vor den Toren Hamburgs, der sich seit über 30 Jahren zu einem Hotspot der norddeutschen Sprayer-, aber auch der Lost-Place-Szene entwickelt hat. Wer auf Instagram das Hashtag #PlanetAlsen eingibt, findet schnell über 1000, oft sehr farbenfrohe Fotos dieser ehemaligen Industrieanlage bei Itzehoe.

    360° Graffiti im ehemaligen Schlämmbottich mit der Skulptur „Fönx“ von Robert Schad 

    Bevor wir zu unserer neuen Podcast-Episode kommen, eine kurze Erklärung, was „Planet Alsen“ überhaupt ist: Alles begann in der Kreidezeit vor etwa 66 Millionen Jahren. Meeresablagerungen aus der Kreidezeit bilden die Grundlage für die reichen Vorkommen an feiner weißer Schreibkreide im Raum Lägerdorf, unweit von Itzehoe, die ein Grundstoff für die Zementherstellung ist. Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt auch der Bedarf an Zement für den Bau von Industrieanlagen in den Städten. Es ist daher wenig verwunderlich, dass auch der industrielle Abbau von Kreide Mitte des 19. Jahrhunderts in Schleswig-Holstein beginnt. Im Jahr 1863 gründete der Namensgeber Gustav Alsen die Alsen’sche Portland-Cement-Fabrik bei Itzehoe. Das Unternehmen erlebte mit der Produktion des sogenannten Portlandzements einen schnellen Aufschwung. Über einen längeren Zeitraum exportierte es auch in Überseemärkte. Durch die Übernahme von Konkurrenten und deren Werken in Lägerdorf und Uetersen sowie durch zahlreiche Fusionen und Namensänderungen wurde aus den ursprünglichen Alsen’sche Portland-Cement-Fabriken im Jahr 2003 schließlich die „Holcim (Deutschland) AG“. Das Itzehoer Stammwerk von Alsen war allerdings bereits 1982 stillgelegt worden. Ein Großteil der ehemaligen Fabrikgebäude wurde später abgerissen, erhalten blieben jedoch die heutigen Gebäude von Planet Alsen.

    Setus Studt und Christoph in den Ausstellungsräumen von Planet Alsen

    Ein besonders auffälliges Bauwerk auf dem Gelände ist der letzte erhaltene Schlämmbottich. Es handelt sich dabei um eine Rotunde mit einem Durchmesser von 32 Metern. In ihr wurde der Zementschlamm, wie in einem riesigen Mixgerät, mit einem großen Rührstab durchgerührt und auf diese Weise homogenisiert. Heute bieten besonders die erhaltenen Wände dieser Rotunde eine ideale Fläche für Graffiti-Künstler:innen und Musiker:innen nutzen diesen Raum, da er aufgrund seiner Form einen besonderen Nachhall erzeugt.

    „Soundcheck“ im Schlämmbottich! 

    Heute sprechen wir mit Setus und Mirko über die Geschichte dieses faszinierenden Ortes, unternehmen einen Rundgang durch die Anlage und werfen natürlich auch einen Blick auf die Zukunft von Planet Alsen sowie die Ideen, die die beiden dazu entwickelt haben.

    Wer sich über Alsen informieren möchte, sollte entweder direkt nach Alsen kommen, -Kamera nicht vergessen! -, oder das Kreismuseum „Prinzeßhof“ in Itzehoe besuchen. 

    Dort ist der Geschichte dieses ehemaligen Zementwerks ein ganzer /ein eigener Raum gewidmet. 

    Unsere Gäste: Setus Studt (links) und Mirko Reisser

    Setus Studt 

    (Setus Studt – Planet Alsen)

    Setus, geboren 1954 in Itzehoe, ist freischaffender Künstler und Autodidakt, der seit 1985 die ehemalige Zementfabrik Alsen fotografisch dokumentiert. Was zunächst als Projekt zur Erhaltung der historischen Industrieanlage für die Nachwelt begann – angesichts eines geplanten Abrisses, der letztlich nur teilweise durchgeführt wurde –, entwickelte sich zu (s)einem umfassenden künstlerischen Projekt:

    Aus seinen dokumentarischen Fotografien entwickelte er das Projekt „Planet Alsen“ , das die geheimnisvolle Welt des ehemaligen Industriegeländes als inspirierenden Kulturraum zeigt. Die Fotografien dienen dabei als künstlerische Zeugnisse, die die einzigartige Atmosphäre des Ortes einfangen.

    Seit 2002 arbeitet er in einem Atelier direkt auf dem Alsen-Gelände und lässt sich weiterhin von der Umgebung kreativ inspirieren. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagiert er sich seit März 2003 als Ratsherr der Stadt Itzehoe und Mitglied des Kulturausschusses aktiv in der Kulturpolitik.

    Mirko Reisser (DAIM)

    (Mirko Reisser – DAIM)

    Mirko, 1971 in Lüneburg geboren, ist ein Künstler, der vor allem durch seine großformatigen Graffiti-Arbeiten im 3D-Stil weltweit bekannt geworden ist. Die wiederholte Darstellung und kreative „Zerlegung“ sowie „Rekonstruktion“ seines Künstlernamens DAIM prägen sein Werk.

    Bereits 1989 entstanden erste Graffiti-Arbeiten im öffentlichen Raum, übrigens auch auf Alsen. Ab 1996 studierte er Freie Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern in der Schweiz. Er lebt und arbeitet heute in Hamburg.

    Im Laufe seiner künstlerischen Karriere bereiste Mirko Reisser weite Teile der Welt und nahm an zahlreichen Ausstellungen in Museen und Galerien teil. Als Initiator und Mitorganisator hat er zahlreiche international beachtete Kunstprojekte realisiert, Ausstellungen kuratiert und Bücher herausgegeben. Viele dieser Projekte entstanden in Zusammenarbeit mit dem 1999 gegründeten Künstlerkollektiv getting-up.

    Zusammen mit den seit Ende der 1980er Jahre aktiven Graffiti-Writern Oliver Nebel, Frank Petering und Andreas Timm veröffentlichte er 2021 das umfassende Werk über Graffiti in Hamburg: „Eine Stadt wird bunt“. Im November 2022 wurde dazu die gleichnamige und viel beachtete Ausstellung (EINE STADT WIRD BUNT – SHMH) im Museum für Hamburgische Geschichte eröffnet.

    Links zum Thema

    Planet Alsen, Planet Alsen Vision, HR026 Hamburg Graffiti – eine bunte Zeitreise, EINE STADT WIRD BUNT – SHMH, Wikipedia: Itzehoe, Wikipedia: Alsen, Setus Studt – Planet Alsen, Mirko Reisser – DAIM, Vergängliche Graffiti Kunst. Planet Alsen in Itzehoe

  • HR033 – Auf den Spuren der Bornplatz Synagoge

    HR033 – Auf den Spuren der Bornplatz Synagoge

    Wir sind nach längerer Zeit endlich mal wieder in Hamburg unterwegs und besuchen Kay-Peter Suchowa, den die meisten Hörerinnen und Hörer vom hafenradio schon von verschiedenen Ausgrabungen in der Stadt kennen. Wir sind am Joseph-Carlebach Platz, dem ehemaligen Bornplatz, auf dem bis 1939 die Synagoge der jüdischen Gemeinde Hamburgs im Grindelviertel stand.

    Abbildung der Bornplatzsynagoge
    Abbildung der Bornplatzsynagoge auf dem Grabungsgelände

    Die 1906 eingeweihte Synagoge war eine der größten in Deutschland und diente der Deutsch-Israelitischen Gemeinde als Hauptsynagoge. Das Gebäude wurde in der Pogromnacht am 9. November 1938 verwüstet und brannte zu großen Teilen aus. Die Ruine musste 1939 auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgetragen werden. Später wurde das Gelände teilweise mit dem noch heute vorhandenen Hochbunker überbaut. Nach dem Krieg wurde das verbliebene Areal zeitweise als Parkplatz genutzt. Ende der 1980er Jahre wurde der Entwurf der Künstlerin Margrit Kahl umgesetzt, der den Grundriss und das Deckengewölbe der Synagoge in einer Art Mosaik aus Pflastersteinen auf dem Boden abbildet. 

    
Bergung eines Pilasterkapitells aus rotem Sandstein aus dem Grabungsschnitt mit einem Seil durch zwei Grabungshelfer.
    Bergung eines Pilasterkapitells aus rotem Sandstein

    Seit 2020 sind die Bemühungen, an diesem Ort wieder eine Synagoge zu errichten, mit der Bewilligung von Mitteln für den Wiederaufbau konkret geworden. In diesem Rahmen untersucht das Archäologische Museum Hamburg unter der Leitung von Kay mit verschiedenen sog. Schnitten den Untergrund, um zu klären, was unter der heutigen Oberfläche noch erhalten ist. Kay führt uns durch die verschiedenen Schnitte und Befunde, was sich als eine spannende und bewegende Reise in die jüngere Vergangenheit der Synagoge und jüdischen Lebens in Hamburg herausstellt.

    Archäologe und Ausgräber Kay-Peter Suchowa

    Nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 mit 1.239 Toten und über 240 Geiseln bei dem Terrorangriff der radikal-islamischen Hamas auf Israel und dem anschließenden Krieg im Gazastreifen ist auch das Interesse an den Ausgrabungen gestiegen.

    Freigelegte Mike mit den sieben Stufen aus weißen Fliesen.
    Freigelegte Mikwe mit sieben Stufen

    Kerzen im Schnee zum Gedenken and die Reichspogromnacht und den terroristischen Überfall am 7. Oktober 2023

    Links zum Thema

    Wikipedia  – Bornplatzsynagoge, Wikipedia – Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023, Wikipedia – Grindel , Wikipedia – Reichspogromnacht, NDR Beitrag vom 26.09.2023: Archäologen suchen nach Resten der Bornplatzsynagoge, Zeit Online 18.10.2023: Die Spuren der einstigen Pracht, Wikipedia – Mikwe, Margit Kahl

  • HR032 – Framespotting

    HR032 – Framespotting

    Ein ganz besonderer Stadtrundgang durch Harburg

    Über ein Jahr Pandemie liegt hinter uns und ihr habt lange nichts von uns gehört. Heute haben wir endlich wieder jemanden vor dem Mikro und auf diesen Gesprächspartner haben wir uns besonders gefreut!

    Bierflasche aus Harburger Brauerei im Vordergrund - unscharf im Hintergrund Christoph mit Bild in der Hand
    Ein Bier aus einer hiesigen Brauerei darf nicht fehlen

    Die älteren Semester werden sich vielleicht erinnern, in den 1970er Jahren rief eine große Hamburger Tageszeitung zu einer Schnitzeljagd durch Hamburg auf. Die Leser*innen sollten den „Mann mit dem Koffer“ suchen und wer ihn als erster traf, durfte den Koffer, der mit einer gewissen Geldsumme gefüllt war, behalten. In der Zeitung fand man den einen oder anderen Hinweis zu dem Aufenthaltsort des „Manns mit dem Koffer“ und selbstverständlich waren es oftmals Orte, die den meisten Hamburger*innen bekannt waren. An diese Aktion fühlten wir uns sofort erinnert, als im Hamburg Journal des NDR das Projekt von Paul aka @framespotting_hh, so sein Instagram-Name, vorgestellt wurde.

    Im Tunnel unter der Buxtehuder Straße findet das erste Foto seinen Platz
    Im Tunnel unter der Buxtehuder Straße findet das erste Foto seinen Platz

    Paul ist Hobbyfotograf, der aus beruflichen Gründen in der Welt weit herumgekommen ist und auf seinen Reisen immer eine Kamera dabei hatte. Diese Fotos, zusammen mit den von ihm selbst entwickelten und gebauten Holzrahmen aus alten Pitchpine-Dielen, verteilt er auf langen Spaziergängen nicht nur in Hamburg, sondern auch auf seinen Reisen mit der Familie wie kürzlich ins Allgäu. So entstehen spontane Ausstellungen an zufälligen ausgewählten Orten im öffentlichen Raum und auf diese Weise hat Paul mittlerweile über 300 Fotos in die Welt getragen. Passanten, die diese Fotos in der Stadt finden und mit nach Hause nehmen möchten, sind dazu herzlich eingeladen.  Die einzige Gegenleistung, wenn man das überhaupt so bezeichnen darf, die der Fotograf Paul sich wünscht, ist, dass die neuen Besitzer*innen ihren Fund auf Instagram oder über seine Homepage (https://frame-spotting.com ) veröffentlichen.

    Bei bestem Wetter im Harburger Binnenhafen: auf der Zitadellen Brücke wird das zweite Foto angebracht
    Bei bestem Wetter im Harburger Binnenhafen: auf der Zitadellen Brücke wird das zweite Foto angebracht

    Seine Leidenschaft für die Fotografie und die Idee, die Fotos in die Stadt zu tragen, um sie dort zu verschenken, hat uns direkt angesprochen. Es ist Street Art der ganz besonderen Art, denn genau diese Idee, die analoge Kunst im städtischen Raum bereitzustellen und anschließend im, wenn man so will, digitalen Raum durch den Finder zu veröffentlichen, war für uns der Grund, Paul für einen Podcast zu gewinnen. Hinzu kommt, dass dieses Projekt noch einen spielerischen Aspekt hat, die die Finder*innen und Follower, davon gibt es mittlerweile einige, animiert, sich auf eine Art „Schnitzeljagd durch die Stadt“ einzulassen.

    Paul und Christoph von hinten su sehen - schauen auf die Brücke im Binnenhafen
    …und angespannt auf die Finder*innen gewartet!

    Für die heutige Folge unseres Hafenradios haben wir übrigens mit Paul einen Rundgang durch Harburg gewagt und dabei über sein Projekt, unseren Spaß an der Fotografie und, wie sollte es anders sein, die Stadtgeschichte von Harburg gesprochen. Mit dem Mikro in der Hand starteten wir am AMH und gingen zum Harburger Rathaus, von dort ging es zunächst zum Marktplatz Am Sand, dann an der Lämmertwiete vorbei und durch die Schloßstraße zum Kanalplatz im Binnenhafen. Die Harburger unter euch werden diese Route sicher kennen und vielleicht hat der eine oder die andere auch eines der beiden Fotos entdeckt, die Paul während der Tour gehängt hat. Bei diesem Gang durch die Gemeinde hatten wir uns viel zu erzählen und Harburg steuerte seinen ganz eigenen Sound dazu bei.

    Zitat

    Er sagt selbst: „Framespotting ist meine Art, Menschen meine Bilder näher zu bringen. Vor allem aber verschenke ich mit Framespotting Freude. Meine Galerie ist die Straße und diese Galerie ist oft nur sehr kurz präsent, denn jeder, der mein Bild findet, darf dieses auch behalten. Ich möchte mit Framespotting erreichen, dass Menschen mit offenen Augen durch die Welt gehen, mehr aufeinander achten und sich wieder über die kleinen Dinge des Lebens freuen. Framespotting soll etwas sein, worüber man sich noch lange zu Hause freuen kann.“

    Links zu den Themen
    Framespotting auf Instagram, Framespotting Home Page, Bericht Hamburg Journal des NDR, Bericht SAT1 Regional, Beitrag kiekmo „Fünf kleine Streetart Freuden in Hamburg“, Harburger Binnenhafen, Lämmertwiete Harburg – Wikipedia

  • HR031 – Neue Burg – Hamburg – Closing Time

    HR031 – Neue Burg – Hamburg – Closing Time


    Neue Burg die Vierte! Wie versprochen, hat das Hafenradio Kay Suchowa nochmal zum Ende der archäologischen Ausgrabung in der Hamburger Neustadt in der Straße „Neue Burg“ besucht. Und es gibt wieder spannendes zu berichten!

    Der Grabungsleiter mit der Illustration einer möglichen Torkonstruktion der Neuen Burg in den Händen.
    Illustration einer möglichen Torkonstruktion der Neuen Burg

    Wir haben es am vorletzten Grabungstag, quasi „auf den letzten Drücker“, nochmal in die „Neue Burg“-Straße in die Hamburger Neustadt geschafft, um zu berichten was die Ausgrabung an Einblicken in Hamburgs frühe Vergangenheit preisgeben konnte. Wallanlage, Deichbau, Tor und Oberkante – so könnte man es verkürzt auf den Punkt bringen. Tatsächlich konnten wieder zahlreiche gut erhaltene Befunde der Wallanlage der neuen Burg freigelegt und untersucht werden. Dort wo es der Archäologe und Grabungsleiter Kay Suchowa vermutet hat, kam tatsächlich eine Toranlage zum Vorschein, die in großen Teilen gut dokumentiert werden konnte und eine echte kleine Sensation ist. Vielleicht etwas weniger spektakulär, aber wissenschaftlich sehr wertvoll, ist die Tatsache, dass die Oberkante des Walls sicher dokumentiert werden konnte, was auch weitere Rückschlüsse auf Größe und Konstruktion zulässt. Besonders interessant waren auch die Hinweise eines Deichbauers, der Kay auf der Ausgrabung besuchte. Sie lieferten entscheidende Hinweise um zu klären, warum auf der Aussenseite des Walls viel weniger Holz verbaut wurde als im inneren Bereich.

    Kay Suchowa erklärt das Profil der Innenseite des Walls
    Kay Suchowa erklärt das Profil der Innenseite des Walls


    Warum ist die Neue Burg so wichtig für Hamburg? Nun – sie ist der Grundstein für das was Hamburg bis heute zu einer bedeutenden europäischen Handelsmetropole macht. Mit ihr begann der Aufstieg Hamburgs als Hansestadt. Die Neue Burg war im 11. Jahrhundert sogar die größte Burganlage Norddeutschlands und wurde vom Billunger-Herzog Bernhard II. ab 1021 errichtet.
    Nochmal zum Hintergrund der Ausgrabung: Die Ausgrabungsfläche liegt in einem Gebiet, das quasi als Keimzelle der 1188 gegründeten Hamburger Neustadt gilt. Unmittelbar unter dem Pflaster der heutigen Straße „Neue Burg“ befinden sich, vom Krieg und dem nachfolgenden Bauboom weitgehend ungestörte, Befunde der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bebauung. Für eine Ausgrabung in der dichtbesiedelten Innenstadt war diesmal die Situation auch eine besondere – es handelte sich um eine geplante Grabung, die nicht durch Bauarbeiten notwendig wurde, sondern an einer vielversprechenden, exponierten Stelle durchgeführt werden konnte. Gestartet wurde im November 2019 und Grabungsende war im September 2020.

    Grabungsbefund eines Teils der Torkonstruktion


    Diese Ausgrabung konnte auch einmal mehr belegen, dass Hamburg eine Stadt ist, die in ihrer Geschichte immer von Austausch und Migration geprägt war. Neue Impulse, Ideen, Technologien, Weltanschauungen und Kulturen offen aufzunehmen, das ist es, was Hamburg von jeher erfolgreich gemacht hat.
    Damit können wir eine kleine, aber unglaublich spannende Serie von Berichten der Erforschung der „Neuen Burg“ im Herzen der Hansestadt abschließen – die Links auf die vorausgegangenen Episoden findet ihr in den Shownotes. An dieser Stelle auch nochmal ein ganz großes Dankeschön an Kay Suchowa, der sich immer die Zeit genommen hat dem Hafenradio so wunderbar die tiefen Einblicke in Hamburgs Vergangenheit zu erklären. Vielleicht ergeben sich in Zukunft ja noch weitere Grabungsmaßnahmen, aber vorerst mal: Closing Time!

    Links zu den Themen
    Neue Burg – Hamburg, Webstory Mythos Hammaburg, Bernhard II, Billunger, Hopfenmarkt, Trostbrücke, HR027, HR016, HR004

  • HR030 – Bildstörung meets Hafenradio

    HR030 – Bildstörung meets Hafenradio

    Wir sprechen diesmal mit Melli und Kurt, den Machern des Podcasts „Bildstörung“, einem noch recht neuen Podcast bei dem es fast ausschließlich um Fotografie geht. Beide sind leidenschaftliche Freizeitfotografen und wenn man sich ihre Fotos auf Flickr (ja gibt es noch) oder Instagram anschaut, dann fällt einem sofort der hohe Anspruch der Beiden auf. Schnell erklärt sich dann auch der Untertitel „DER PODCAST FÜR FOTOGRAFISCHES SEHEN“ . Sie sprechen nicht über, und das macht diesen Podcast so spannend und vor allem hörenswert, die neueste Technik, höchste Auflösung oder schärfste Optik.
    Nein, es geht den Beiden vielmehr um das, was vor dem Auslösen passiert. Wie kommt es zu einem Bild und wie ist es aufgebaut? Dies sind die Kernfragen, die in den einzelnen Folgen ihres Podcasts besprochen werden!

    Melli vom Bildstörung Podcast während der Podcastaufnahme im Museum in Harburg.
    Melli vom Bildstörung Podcast

    2019 gründeten Sie zudem eine recht aktive Fotogruppe in Hamburg, die sich mit dem Thema des “fotografischen Sehens” übrigens nicht nur theoretisch beschäftigt.
    Gemeinsame „Foto-Walks“ oder der Besuch von Fotoaustellungen gehören ebenfalls zum Programm dieser Gruppe.
    Die fotografischen Ergeb- und Erlebnisse, werden auf Flickr, Facebook oder Instagram vorgestellt aber auch im besagtem Podcast der Beiden besprochen.

    Kurt vom Bildstörung Podcast während der Podcastaufnahme im Museum in Harburg.
    Kurt vom Bildstörung Podcast

    Mit “Bildstörung“ wollen Melli und Kurt „…noch mehr Freizeit- und Hobbyfotografen dafür begeistern, sich mehr mit dem kreativen als mit dem technischen Teil der Fotografie zu beschäftigen“. Wir finden, das machen sie ganz hervorragend und es ist ein Spaß ihrem Podcast zu folgen. Daher mussten wir sie unbedingt vor dem Mikro des Hafenradios haben!
    Aber was verbindet nun das Hafenradio mit dem Podcast von Melli und Kurt? Ganz einfach: Die Liebe zur Fotografie, zu Lost Places sowie Streetart und sogar auch zur Archäologie!

    Foto von Kurt Frehe vom Salton Sea, einer interessanten geologischen Anomalie im Südosten Kaliforniens.
     Salton Sea – im Südosten Kaliforniens – Foto: Kurt Frehe 

    In dieser Folge geht es also um Fotografie, Lost Places, Archäologie und ein wenig um Bier – was hat das alles miteinander zutun? Wie immer: hört einfach rein!

    Links zu den Themen
    Bildstörung Podcast, Bildstörung auf Facebook, Bildstörung auf Instagram, Bildstörung auf Flickr, Kehrwieder Kreativbrauerei, Mehr Information zum Salton Sea

  • HR029 „Die Corona Sondersendung“ mit Felix und Michael

    HR029 „Die Corona Sondersendung“ mit Felix und Michael


    Es gibt mal wieder eine “Vater und Sohn“ Ausgabe vom Hafenradio – aber diesmal eine andere Variante – ein kleines Hafenradio Experiment.

    Heute haben wir einen besonderen Podcast, quasi eine Sondersendung, aufgenommen: Michael hat mit seinem Sohn Felix, der hier sein Podcast-Debüt gibt, über die aktuelle Corona Situation und wie sich diese auf Schule und Beruf auswirkt, gesprochen. 

    Felix Merkel bei der Podcast-Aufnahme
    Felix bei der Podcast-Aufnahme

    Felix berichtet, wie er das Homeschooling wahrgenommen und wie sich das Lernen in den letzten drei Monaten verändert hat. Die anfänglichen Schwierigkeiten seiner Lehrer, ihre Inhalte digital zur Verfügung zu stellen, aber auch über die, wenn auch langsame, Verbesserung der Situation, wird ebenfalls gesprochen. 

    Sie unterhalten sich aber auch darüber, dass Home-Office und Homeschooling offenbar schwer miteinander zu vereinbaren sind. Insgesamt wurde die Situation aber als nicht so schlimm empfunden und ganz quasi nebenbei, spielen die zwei auch noch mit neuer Podcast-Technik – hört mal rein!
    Wenn Euch diese Podcast-Sondersendung gefallen hat, dann würden wir uns über einen Kommentar auf unserem Blog freuen! Und wer weiß: vielleicht gibt es ja eine weitere „Vater und Sohn Sondersendung“. 

    Zur Person: Ich bin Felix, 13 Jahre alt und wohne in Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein. Ich besuche die 7. Klasse der Dietrich Bonhoeffer-Schule. Meine Hobbys sind Schwimmen, Angeln, Gaming. Ich interessiere mich für Computer und Virtual Reality (VR) Technik. 

  • HR028 Unter Hamburgs Füßen – oder auf der Suche nach der Wiedenburg

    HR028 Unter Hamburgs Füßen – oder auf der Suche nach der Wiedenburg

     

    Unweit von der Ausgrabung an der Neuen Burg, über die wir in unserem letzten Podcast berichtet haben, findet aktuell eine weitere Grabung des Archäologischen Museums Hamburg statt.
    Ein Neubauvorhaben auf einem Areal direkt an der Willy-Brandt-Straße, machte archäologische Untersuchungen notwendig, die das AMH seit September 2019 unter der Leitung der Archäologin und Grabungsleiterin Judith Kirchhofer dort durchführt.

    Christoph und Judith stehen auf der Ausgrabungsfläche am Hopfensack
    Christoph & Judith stehen auf der Ausgrabungsfläche am Hopfensack.

    Das Grabungsareal liegt auf einem historisch bedeutsamen Gelände: Es ist das Ostende der einstigen Reichenstraßeninsel. Die ehemalige Insel verdankt ihren Namen übrigens den reichen Kaufleuten, die sich hier ab ca. 1200 angesiedelt haben. Von der Insel ist jetzt allerdings nichts mehr zu sehen, denn die Fleete, welche die Insel damals umgaben, sind heute zugeschüttet und zu Straßen geworden.
    Das Grundstück auf dem die Ausgrabung stattfindet, ist seit dem Mittelalter mit dem Namen „Wiedenburg“ belegt. Die Herkunft dieses Namens ist allerdings unklar. Lange Zeit wurde hier wirklich eine Burganlage vermutet, die Bezeichnung kann aber auch auf einen Familiennamen zurückgeführt werden.
    Die archäologische Untersuchung auf dem Gelände soll diese Frage klären, aber auch die Art der mittelalterlichen Bebauung Hamburgs im Mittelalter. Die Bedingungen hierfür sind tatsächlich ausgesprochen günstig, da der Untergrund auf dem ehemaligen Parkplatz weitgehend ungestört ist.
    Die von dem Team des AMH bereits freigelegten und eindrucksvoll erhaltenen Fundamentreste der frühen Kaufmannshäuser, werden sicher manch Frage zum mittelalterlichen Hausbau beantworten können.

    Fundamente aus Hartholzstämmen sorgten dafür, dass die Gebäude nicht in der Marsch versinken
    Fundamente aus Hartholzstämmen sorgten dafür, dass die Gebäude nicht in der Marsch versinken.

     

    An diesem Fundament wird deutlich, wie massiv auf der Reichenstraßeninsel gebaut wurde
    An diesem Fundament wird deutlich, wie massiv auf der Reichenstraßeninsel gebaut wurde.

    Wir waren sehr beeindruckt von den hervorragend erhaltenen Holzpfählen, massiven Ziegelmauern und mächtigen Findlingen.

    Findlinge wie diese (Abb. 3) sind Fremdkörper in der Elbmarsch, sie mussten sehr aufwendig von der Geest zur Fleetinsel transportiert werden!

    Judith Kirchhofer und Ihr Team können noch bis Ende April die Geschichte der Reichenstraßeninsel untersuchen, danach entsteht hier ein hochmodernes Gebäude mit Tiefgarage.

    Ein besonders schöner Fund ist dieses Fragment einer steinernen Schale die mit einer Maske verziert ist
    Ein besonders schöner Fund ist dieses Fragment einer steinernen Schale die mit einer Maske verziert ist.

     

    Hier der Grund woher unsere Wasserhähne ihren Namen haben: dieser kleine Zapfen hat eine Bohrung und eine Handhabe in Form eines Hahns und diente zum zapfen von Flüssigkeiten
    Hier der Grund woher unsere Wasserhähne ihren Namen haben: dieser kleine Zapfen hat eine Bohrung sowie eine Handhabe in Form eines Hahns und diente zum zapfen von Flüssigkeiten.

    Bleibt noch die Frage nach der Wiedenburg: Haben Judith und Ihr Team schon Spuren von dieser Anlage gefunden? Hört selbst!

    Links zu den Themen
    Reichenstraßeninsel, Hamburg Altstadt, Dendrochronologie, Artikel zur Ausgrabung (auf amh.de – Archäologisches Museum Hamburg), „Miss Jones“ Podcast zur Stadtarchäologie

     

  • HR027 Hamburg Neustadt – Die Ausgrabung „Neue Burg“ – Reloaded

    HR027 Hamburg Neustadt – Die Ausgrabung „Neue Burg“ – Reloaded

     

    Wir haben es wieder getan: Seit November gräbt das Archäologische Museum Hamburg wieder im Bereich der Neuen Burg und wir haben Kay-Peter Suchowa, den Grabungsleiter, nun zum dritten Mal vor das Mikrofon geholt!

    Grabungszelt in der "Neue Burg" Straße
    Grabungszelt in der „Neue Burg“ Straße

    Die Ausgrabungsfläche liegt auf historisch spannendem Gelände, denn das Gebiet gilt als die Keimzelle der 1188 gegründeten Hamburger Neustadt. Direkt unter dem Pflaster der heutigen Straße „Neue Burg“ befinden sich, vom Krieg und dem nachfolgenden Bauboom fast ungestörte, Befunde der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bebauung. Wie ein riesiges Puzzle fügen sich die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen der Hausfundamente sowie des mittelalterlichen Walls zusammen und liefern damit hoch spannende Erkenntnisse zur Stadtgeschichte der Hansestadt.

    Kay-Peter Suchowa - Grabungsleiter erklärt die Grabungssituation
    Kay-Peter Suchowa – Grabungsleiter erklärt die Grabungssituation

    Das Gebiet der Neuen Burg gilt als die Keimzelle der Hamburger Neustadt, die durch Kaiser Friedrich Barbarossa 1189 besondere Privilegien erhielt. Mit ihr begann der Aufstieg Hamburgs als Hansestadt. Die Neue Burg war im 11. Jahrhundert die größte Burganlage Norddeutschlands und wurde vom Billunger-Herzog Bernhard II. ab 1021 errichtet. Der mächtige Wall mit 36 m Breite und 5 m Höhe war sicherlich ein weithin sichtbares Zeichen herzoglicher Macht und sicherte den Westen Hamburgs gegen feindliche Angriffe, während der Heidenwall die Stadt nach Osten sicherte. Der Neuen Burg kam damit eine Schlüsselrolle als Nachfolger-Befestigung der Hammaburg zu. Im 12. Jahrhundert wurde die Neue Burg aufgegeben. Danach wurde das Innere der Burg aufgefüllt und die so gewonnene Fläche in annährend gleich große Grundstücke aufgeteilt und bebaut. Die Neusiedler erhielten besondere Rechte, wie zum Beispiel freie Schifffahrt auf der Elbe bis zur Mündung. Im Bereich des heutigen Hopfenmarktes standen neben der ersten Nikolaikirche auch das erste Rathaus und die Münze. Um 1220 wurden die Barbarossa-Privilegien der Neustadt auch auf die Altstadt übertragen, und Hamburg wuchs zusammen. Damit begann der Aufstieg zur Hansestadt.

    Schild zu Schnitt Nummer 5 - hier wohnte Familie Rossi
    Wir fragen uns ob Familie Rossi hier ihr Glück gefunden hat.

    Archäologisch betrachtet gibt diese wichtige Phase der Hamburger Stadtgeschichte immer noch viele Rätsel auf. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Neuen Burg als Nachfolgebau der Hammaburg zu. Kay Suchowa hofft nun, mit dieser Ausgrabung neue Erkenntnisse zur Neuen Burg, aber auch zur anschließenden Gründung der Neustadt und damit zu den Wurzeln Hamburgs als Handelsmetropole zu erhalten.

    Schnitt 1 - Keller der Familie Leblond
    Schnitt 1 – Keller der Familie Leblond

    Wie spannend das ist und warum der ein oder andere Ur-Hamburger hier seine Wurzeln finden könnte, kann Euch Kay viel besser berichten – hört mal rein!

    Links zu den Themen
    Neue Burg – Hamburg, Webstory Mythos Hammaburg, Bernhard II, Billunger, F. Laeisz, Hopfenmarkt, Hauptkirche St. Nicolai, Trostbrücke, Structure from Motion, Hugenotten in Hamburg, HR016, HR004, Herr Rossi sucht das Glück

     

  • HR026 Hamburg Graffiti – eine bunte Zeitreise

    HR026 Hamburg Graffiti – eine bunte Zeitreise

     

    Nachdem wir uns in unserem letzten Podcast mit Lost Places beschäftigt haben, sprechen wir diesmal über Streetart und Graffiti in Hamburg und greifen damit ein vielleicht nicht neues, dafür aber sehr junges stadtgeschichtliches Thema auf – besonders auch der Sicht von Archäologen für die das Mittelalter oft schon zu modern ist! Für uns, Christoph und Michael, entwickelte sich diese Hafenradio-Folge zu einer regelrechten Zeitreise in das Hamburg der 80er Jahre, eine Zeit, die uns beide geprägt hat. Beide haben wir quasi hautnah mitbekommen, wie die ersten Graffitis in Hamburg aufgetaucht sind. Musik von der Sugar Hill Gang oder Grandmaster Flash wurde in den Diskotheken (damals waren das noch keine Clubs) wie das Shave, das Bendula oder das Voilà aufgelegt.
    Eine Zeit, in der sich viel in Hamburgs Straßen getan hat. Neben Hip-Hop und Sprayern waren unterschiedliche Gruppen unterwegs – Stichwort Popper, Mods, Punks – und in vielen Stadtvierteln gaben Jugendgangs den Ton an wie die Streetboys oder Champs.

    Mirko und Christoph im Atelier in Hamburg Rothenburgsort
    Mirko und Christoph im Atelier in Hamburg Rothenburgsort

    Wir unterhalten uns in Ausgabe #026 mit Mirko Reisser aka DAIM, der selbst seit 1989 als aktiver Sprayer und Graffiti-Künstler nicht nur in Hamburg unterwegs ist. Unterstützt werden wir von Meike Schade, die uns mit Mirko zusammengebracht hat und uns als Co-Moderatorin ergänzt. Meike, Jahrgang 1984, selbst hat zwar die 80er Jahre nicht „aktiv miterlebt“, ist aber von der Szene seit Kindertagen fasziniert. Die studierte Kunstwissenschaftlerin ist heute hauptamtlich Programmplanerin für die Hamburger Volkshochschule und beschäftigt sich mit Digitalisierung in der Kulturvermittlung. Aus Leidenschaft für Graffiti hat sie auch zahlreiche Führungen und Workshops zum Thema gegeben. Ihre Masterarbeit hat sie über ein Mural Art Projekt mit der spanischen Künstlergruppe Boa Mistura in Kapstadt geschrieben.

    Meike Schade
    Meike Schade

    Mirko ist heute als Künstler sehr erfolgreich und – das freut uns besonders – hat mit einigen Mitstreitern (Andreas Timm, Oliver Nebel, Frank Petering) am 28. August ein Crowdfunding mit dem Titel „EINE STADT WIRD BUNT“ gestartet. Dabei geht es um ein Buchprojekt zu den Anfängen der Graffiti- und Hip-Hop-Szene in den 80er und 90er Jahren in Hamburg.

    Mirko Reisser
    Mirko Reisser

    Wer noch eines der Hardcover-Exemplare oder die Collectors Edition, die es nur beim Crowdfunding unter https://startnext.com/einestadtwirdbunt geben wird, ergattern möchte, kann sich noch bis zum 6. Oktober 2019 beteiligen. Ihr könnt auf diese Weise aber auch, quasi als Dankeschön für Eure Unterstützung, exklusive FineArt Prints erwerben oder eine spannende Graffiti-Tour durch die Schanze buchen!

    Frühe Ausgaben von Graffiti Magazinen
    Frühe Ausgaben von Graffiti Magazinen

     

    Links zu den Themen
    Graffiti, EINE STADT WIRD BUNT, Mirko Reisser auf Wikipedia, Homepage von Mirko Reisser, Wie Graffiti nach Europa kam – Eine Dokumentation auf Arte, artcrimes –> graffiti.org, Interview with Susan Farell – first Webmaster od „artcrimes“ Website, Digitalisierung – SoKo Graffiti – InGriD KIT, Eine Stadt wird bunt – Reeperbahn Festival, Eine Stadt wird bunt – auf Startnext, Künstlergruppe Boa Mistura, Zeit Interview – Gangsters in Paradise, St. Pauli Champs – Jugendgangs in den 80ern, The Shugarhill Gang, Grandmaster Flash

     

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  • HR025 Lost Places

    HR025 Lost Places

     

    Das Hafenradio betritt mit seiner Folge 25 vergessenes Land. Diesmal geht es weder um Archäologie noch Museum oder um (Stadt-)Geschichte. Und unseren Gast Marcus Burzinski haben wir ebenfalls auf neue Art und Weise „shanghait“. Er wurde von Michael auf Instagram gefunden und kontaktiert, da er sich dort als Fotograf in einem besonderen Genre tummelt. Marcus aka razonimagelab, ein echter Hamburger Jung‘ aus „Finkwarder“, fotografiert mit Vorliebe sogenannte „Lost Places“. Schon deshalb ist unsere neue Folge anders als die anderen, sie beginnt als ein Mini-Instameet, natürlich in einem Lost Place.

    Unser Gast: Marcus Burzinski
    Unser Gast: Marcus Burzinski (Instagram @razonimagelab)

    Erstmal ist aber zu klären, was genau ein Lost Place ist. Wikipedia schreibt dazu: „Der Ausdruck Lost Place ist ein Pseudoanglizismus und bedeutet sinngemäß ‚vergessener Ort‘. (…) Meistens handelt es sich um Bauwerke aus der jüngeren Geschichte, die entweder noch nicht historisch aufgearbeitet (bzw. erfasst) worden sind oder aufgrund ihrer geringen Bedeutung kein allgemeines Interesse finden und daher nicht als besonders erwähnenswert gelten.(…)“.
    Kurz gesagt, geht es um verlassene Gebäude, oftmals stillgelegte Fabriken, die von der Natur zurückerobert und teilweise von der Graffitiszene eingenommen werden.

    Vogelperspektive: Eine verlassene Fabrikhalle mit einem Graffiti von Plotbot KEN
    Vogelperspektive: Eine verlassene Fabrikhalle mit einem Graffiti von Plotbot KEN (Instagram @ken_plotbot)

    Lost Places sind momentan übrigens sehr populär! Möbelhäuser verkaufen in ihren Dekoabteilungen aufwendig gerahmte Hochglanzdrucke von verlassenen Klöstern oder Herrenhäusern, Fotowettbewerbe auf den sozialen Plattformen und auch Ausstellungen widmen sich mittlerweile ebenfalls diesem Thema. Die Suche nach verlassenen Orten wird als „urban exploration“, kurz „urbex“, bezeichnet und ist längst Hobby einer recht großen, internationalen Community geworden. Allein das Wort „exploration“ (Erkundung) spiegelt den Abenteuergeist wider, der die Lostplacehunters antreibt.

    Herrschaftlich: Entree eines Herrenhauses in Nordwestmecklenburg.
    Herrschaftlich: Entree eines Herrenhauses in Nordwestmecklenburg.

    Um in die richtige Stimmung zu kommen, haben wir uns mit Marcus zunächst in einem Lost Place in Harburg getroffen, ein wenig fotografiert und „Lost Place-Atmosphäre“ aufgenommen. Wie aus der Zeit gefallen wirken die Räume einer seit 2009 aufgegebenen Fabrik auf uns.

    Freiräume: Der Charme von verlassenen Fabrikräumen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

    Freiräume: Der Charme von verlassenen Fabrikräumen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

     

    Freiräume: Der Charme von verlassenen Fabrikräumen aus dem frühen 20. Jahrhundert.
    Freiräume: Der Charme von verlassenen Fabrikräumen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

    Die Atmosphäre von einerseits Vergänglichkeit der Bauten und andererseits Kraft der Natur, die bei der ersten Gelegenheit auf Beton wieder Leben erschafft, nahmen uns vollkommen ein. Dass in diesen Gebäuden vor gar nicht allzu langer Zeit hunderte Menschen gearbeitet haben, ist in allen Räumen zu spüren.

    Durchblick: Toiletten und Waschraum einer „nachgenutzten“ Fabrik.
    Durchblick: Toiletten und Waschraum einer „nachgenutzten“ Fabrik.

    Die Toiletten in den heute weitgehend zerstörten Waschräumen, vergessene Unterlagen in einem Aktenordner auf der Fensterbank einer Maschinenhalle  oder die durchgetretenen Stufen der Treppen  – all das wirkt wie eine Zeitkapsel.

    Dokumentiert: Aktenordner mit Unterlagen zu verwendeten Inhaltsstoffen.
    Dokumentiert: Aktenordner mit Unterlagen zu verwendeten Inhaltsstoffen.

    Aufstieg: Treppenhaus mit Graffiti
    Aufstieg: Treppenhaus mit Graffiti

    Wie schnell der Verfall dieser teilweise bereits Anfang des 19. Jahrhunderts gebauten Gebäude einsetzt, ist deutlich zu sehen und zu fühlen: Wir treten auf zerbrochenes Glas, in den Kellern steht das Wasser und besonders eindrucksvoll ist eine kleine, leuchtendgrüne Farnpflanze, die ihre ökologische Nische auf dem vom Regen nassen Teppich eines ehemaligen Büros gefunden hat.

    Nature strikes back: Farn und Spraydose in einem ehemaligen Büro.
    Nature strikes back: Farn und Spraydose in einem ehemaligen Büro.

    Das Phänomen „der künstlerischen Nachnutzung“ durch Graffitisprayer begegnete uns ebenfalls in den meisten Räumen. Die vielfach eindrucksvollen Pieces gehen häufig auf die Architektur ein und geben der Ästhetik des Verfalls eine bunte, schmückende, fast tröstliche Note.

    Farbig: Streetart auf Kantinentür und im Labor der Fabrik.

    Farbig: Streetart auf Kantinentür und im Labor der Fabrik.
    Farbig: Streetart auf Kantinentür und im Labor der Fabrik.

    Unser anschließender Podcast zeigte, dass sich die Vorstellungen und Welten von Archäologen und Lost Place-Jägern kaum unterscheiden. Wir betreiben jeder auf seine Art eine Spurensuche, bei der wir uns nicht nur die die Frage stellen, wer an den von uns besuchten Orten gearbeitet oder gelebt hat, wir sind auch Dokumentierende dieser verlorenen Orte.

    Unberührt: Die Speisekammer eines verlassenen Bauerhauses.
    Unberührt: Die Speisekammer eines verlassenen Bauerhauses.

    Sicherlich haben wir verschiedene Ansprüche an die Art und Weise des Umgangs mit diesen Plätzen! Wie sich die Ansprüche von Urbexern und Archäologen unterscheiden, war auch Thema des Gesprächs mit Marcus.
    Und was machen nun Archäologen, die sich zum einen professionell mit oftmals vorgeschichtlichen Lost Places beschäftigen dürfen und gleichzeitig liebend gerne verlassene Orte fotografieren? Sie laden sich einen Urban Explorer ein und reden mit ihm darüber – seht und hört selbst.

     

    Links zu den Themen

    Lost Places, Urban Exploration, Graffiti, Hamburg Finkenwerder, razonimagelab auf Instagramm, razonimagelab Website, Zimmer eines französischen Soldaten von 1914 (spiegel-online), Publikation der Universität Hamburg zum Thema

     

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    Michael Merkel
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    Christoph Haffner
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    Marcus Burzinski