HR028 Unter Hamburgs Füßen – oder auf der Suche nach der Wiedenburg

 

Unweit von der Ausgrabung an der Neuen Burg, über die wir in unserem letzten Podcast berichtet haben, findet aktuell eine weitere Grabung des Archäologischen Museums Hamburg statt.
Ein Neubauvorhaben auf einem Areal direkt an der Willy-Brandt-Straße, machte archäologische Untersuchungen notwendig, die das AMH seit September 2019 unter der Leitung der Archäologin und Grabungsleiterin Judith Kirchhofer dort durchführt.

Christoph und Judith stehen auf der Ausgrabungsfläche am Hopfensack

Christoph & Judith stehen auf der Ausgrabungsfläche am Hopfensack.

Das Grabungsareal liegt auf einem historisch bedeutsamen Gelände: Es ist das Ostende der einstigen Reichenstraßeninsel. Die ehemalige Insel verdankt ihren Namen übrigens den reichen Kaufleuten, die sich hier ab ca. 1200 angesiedelt haben. Von der Insel ist jetzt allerdings nichts mehr zu sehen, denn die Fleete, welche die Insel damals umgaben, sind heute zugeschüttet und zu Straßen geworden.
Das Grundstück auf dem die Ausgrabung stattfindet, ist seit dem Mittelalter mit dem Namen „Wiedenburg“ belegt. Die Herkunft dieses Namens ist allerdings unklar. Lange Zeit wurde hier wirklich eine Burganlage vermutet, die Bezeichnung kann aber auch auf einen Familiennamen zurückgeführt werden.
Die archäologische Untersuchung auf dem Gelände soll diese Frage klären, aber auch die Art der mittelalterlichen Bebauung Hamburgs im Mittelalter. Die Bedingungen hierfür sind tatsächlich ausgesprochen günstig, da der Untergrund auf dem ehemaligen Parkplatz weitgehend ungestört ist.
Die von dem Team des AMH bereits freigelegten und eindrucksvoll erhaltenen Fundamentreste der frühen Kaufmannshäuser, werden sicher manch Frage zum mittelalterlichen Hausbau beantworten können.

Fundamente aus Hartholzstämmen sorgten dafür, dass die Gebäude nicht in der Marsch versinken

Fundamente aus Hartholzstämmen sorgten dafür, dass die Gebäude nicht in der Marsch versinken.

 

An diesem Fundament wird deutlich, wie massiv auf der Reichenstraßeninsel gebaut wurde

An diesem Fundament wird deutlich, wie massiv auf der Reichenstraßeninsel gebaut wurde.

Wir waren sehr beeindruckt von den hervorragend erhaltenen Holzpfählen, massiven Ziegelmauern und mächtigen Findlingen.

Findlinge wie diese (Abb. 3) sind Fremdkörper in der Elbmarsch, sie mussten sehr aufwendig von der Geest zur Fleetinsel transportiert werden!

Judith Kirchhofer und Ihr Team können noch bis Ende April die Geschichte der Reichenstraßeninsel untersuchen, danach entsteht hier ein hochmodernes Gebäude mit Tiefgarage.

Ein besonders schöner Fund ist dieses Fragment einer steinernen Schale die mit einer Maske verziert ist

Ein besonders schöner Fund ist dieses Fragment einer steinernen Schale die mit einer Maske verziert ist.

 

Hier der Grund woher unsere Wasserhähne ihren Namen haben: dieser kleine Zapfen hat eine Bohrung und eine Handhabe in Form eines Hahns und diente zum zapfen von Flüssigkeiten

Hier der Grund woher unsere Wasserhähne ihren Namen haben: dieser kleine Zapfen hat eine Bohrung sowie eine Handhabe in Form eines Hahns und diente zum zapfen von Flüssigkeiten.

Bleibt noch die Frage nach der Wiedenburg: Haben Judith und Ihr Team schon Spuren von dieser Anlage gefunden? Hört selbst!

Links zu den Themen
Reichenstraßeninsel, Hamburg Altstadt, Dendrochronologie, Artikel zur Ausgrabung (auf amh.de – Archäologisches Museum Hamburg), “Miss Jones” Podcast zur Stadtarchäologie

 

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

    • Hallo Olaf – vielen Dank für dein Feedback und den Link! Das werden wir an Judith weitergeben! Wind und Bebauung haben bestimmt eine große Rolle gespielt – das können wir Michael ja mal als Frage mitgeben.

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  1. Hallo Sven – Das freut uns sehr! Und viel Spaß mit den Folgen die noch kommen! 🙂

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  2. Moin Olaf, auch von mir einen herzlichen Dank für deinen Kommentar bzw. die Anmerkung(en) zum großen Brand! Ich habe sie an Judith und Kay weitergeleitet, wenn Sie nach dem großen Sturm (es hat AMH ein Zelt gekostet) werden sie sicher antworten.

    Viele Grüße
    Michael

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  3. Gerne 🙂 Neben der Windrichtung (die abgebrannte Fläche beschreibt eine aufgefächerte Diagonale von Südwesten nach Nordosten, der Wind muss also aus Südwest gekommen sein) und der Form der Bebauung könnte (??) eine Rolle gespielt haben, dass dort, wo es keine oder nur wenige Speicher gab, mit “richtigem” Wasser gelöscht werden konnte, und nicht mit einem Gemisch aus Wasser und Alkohol, der zuvor aus Speichern in die Fleete lief (bzw dorthin abgelassen wurde)….

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  4. Spannende und inspirierende Folge. Einmal mehr kam in mir der Gedanke auf, wie wir die Geschichten vergangener Generationen und Epochen mit der Leidenschaft vereinen, diese fotografisch zu inszenieren. Oder zumindest zu dokumentieren; wenn auch weniger in archäologischer, als vielmehr in künstlerischer Mission.

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